Sommergedanken

Sommer, Sonne, Mohnblumen - das sieht nach Urlaub aus. Foto: GB/Nahler

Den Sommer genießen
Vögel und Schmetterlinge beobachten
Gezwitscher und Gekreische wahrnehmen
Dösen, lauen Wind fühlen
Blätter tänzeln sehen
Wolken, die vorbeiziehen
Gedanken und Gefühle zulassen
Aushalten - Geduld - Sein.

Können das Menschen noch genießen,
die ständig in ihr digitales Gerät schauen?

Ob die nächste Generation mal fragen wird:
Was ist Wetter? Was ist Natur?

(© Monika Minder)



Liebe Leserin, lieber Leser!

Haben Sie ein Smartphone? Natürlich, werden jetzt die meisten antworten. Ohne Smartphone kommt man heute ja (fast) nicht mehr aus. Am wenigsten wird mit dem Handy jedoch telefoniert. Nachrichten werden verschickt, Termine verwaltet, die Langeweile mit kurzen Filmchen vertrieben, Spiele gespielt.

Gerade im Lockdown während der ersten Corona-Welle war das Smartphone wichtiger denn je. Zumindest so Kontakt halten. Auf dem neuesten Stand sein, was die aktuellen Zahlen betrifft. Und auch die Kirchen sind digital mit eingestiegen. Andachten-Clips, gestreamte Gottesdienste live nach zu Hause aufs Smartphone. Oder Geburtstagsgrüße per WhatsApp – was natürlich kein Ersatz ist für die persönliche Begegnung.

Eine Landeskirche versuchte bereits vor einigen Jahren, Predigten „über Gott und die Welt“ im praktischen Handy-Format mit insgesamt 160 Zeichen per SMS zu versenden. "Wir wollen die gute Botschaft vom lebendigen Gott weitersagen - so, dass die Menschen sie heute verstehen", sagte Pfarrer Jürgen Kaiser, Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses GmbH Stuttgart, zu diesem Thema. Dazu müsse die Kirche die Medien nutzen, die von den Menschen heute verwendet werden.

Und da soll man die Augen und Finger vom Smartphone lassen können? Ich gebe zu, mir fällt das auch oft nicht leicht. Selbst im Urlaub – es macht „ping“ und ich muss gleich nachschauen, wer mir was geschrieben hat. Nichts verpassen, auf dem Laufenden sein. Oder einfach nur kontrollieren, wieviel Schritte ich heute schon gegangen bin.

„Können Menschen [ihre Umgebung, ihre Umwelt] noch genießen, die ständig in ihr digitales Gerät schauen?“, so fragt die Dichterin der „Sommergedanken“. Ich hoffe schon. Denn was gibt es Schöneres, als den Sommer zu riechen, zu spüren, in all seinen Facetten. Vielleicht mache ich dieses Jahr im Urlaub ja auch mal Urlaub vom Handy? Und Sie?

Ihre Barbara Dietrich,
Pfarrerin in Abensberg-Neustadt

 

Mit Schwung in den Baggersee, was für eine Sommerfreude! Foto: GB/Lehmann