Evangelisches Begriffslexikon

Die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel (1. Mose 11) endet damit, dass die Menschen plötzlich in ganz verschiedenen Sprachen sprechen und sich nicht mehr verstehen.

Ganz so schlimm ist es bei uns nicht, aber immer wieder stellen wir fest, dass manche Begriffe und Wörter ganz unterschiedliche Bedeutungen haben, je nach dem aus welchem Umfeld man stammt oder in welcher Tradition man groß geworden ist.

So sollen die folgenden Begriffe helfen, Ihnen etwas "Evangelisch" zu vermitteln. 

Wenn Sie ein Suchwort hier vermissen, dann senden Sie mir bitte eine Nachricht, dass ich den gewünschten Begriff ergänzen kann.

ABENDMAHL
Im ABENDMAHL feiern wir die Gegenwart Jesu bei uns im Gottesdienst. Das ist keine symbolische oder nur erinnernde Gegenwart, sondern der Herr selbst ist bei den Seinen. Brot und Wein werden aber nicht gewandelt, das heißt, dass sie außerhalb der Benutzung beim Abendmahl Brot und Wein bleiben. Natürlich gehen wir respektvoll mit den Elementen Brot und Wein um.
Der Begriff "Eucharistie" bedeutet zunächst wörtlich "die gute Gabe". So können wir das Abendmahl auch verstehen, auch wenn wir das Wort Eucharistie nur sehr selten verwenden.

DEKAN
Der DEKAN leitet den Dekanatsbezirk.
Das tut er zusammen mit der Dekanatssynode, die die notwendigen Beschlüsse für die Grundlagen der Arbeit im Dekanat trifft. Der Dekan hat in der Dekanatssynode bei Abstimmungen wie alle anderen Mitglieder eine Stimme. Ein Vetorecht hat er nur, wenn ein Beschluss der Dekanatssynode gegen geltendes Kirchenrecht verstoßen oder sich gegen Schrift und Bekenntnis wenden würde.
Der Dekan ist verantwortlich für die Arbeit der Kirche in seinem Gebiet. Deshalb ist er auch für die Aufsicht zuständig und ist der unmittelbare Dienstvorgesetzte der Pfarrerinnen und Pfarrer in einem Dekanatsbezirk. Er ist auch zuständig für die Diakoninnen und Diakone, Religionspädagoginnen und Religionspädagogen sowie alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dekanat.
Dekan in Regensburg ist seit 2006 Eckhard Herrmann.
In der Evang.-Luth. Kirche in Bayern gibt es auch Dekaninnen.

GOTTESDIENST
Im GOTTESDIENST versammelt sich die Gemeinde um ihren Herrn.
So ist Gottesdienst im doppelten Sinn Gottes-Dienst:

  • Es ist ein Dienst an Gott, dass wir ihm Ehre erweisen, ihm zuhören, zu ihm sprechen, ihn in unser Leben mithineinnehmen.
  • Es ist aber auch ein Dienst, den Gott an uns tut. Er sendet uns seinen Geist, dass wir von ihm erfüllt werden können. Gott wirkt in unseren Gottesdiensten. Das ist nicht immer sichtbar, aber wir glauben, dass er uns seine Nähe schenkt.

Unsere Gottesdienste sind von der Reformation und ihrer Zentrierung auf die Bibel geprägt: Wir hören auf Gottes Wort bei den Lesungen und in der Predigt wird ein Stück aus der Bibel intensiv erklärt und für unser heutiges Leben fruchtbar gemacht.
Unsere Gottesdienste feiern wir nicht immer mit Abendmahl, aber regelmäßig.
Unsere Gottesdienste sind keine Messen. Dies ist eine uns fremde Bezeichnung, die fast nur in kirchenmusikalischen Zusammenhängen bei uns auftaucht.

KIRCHENGEMEINDE
In der KIRCHENGEMEINDE spielt sich das Leben in der evangelischen Kirche ab. Sie ist ein zunächst örtlicher Bereich, in dem die evangelischen Christen zusammengehören und einer Kirche und einer zuständigen Pfarrerin oder einem zuständigen Pfarrer zugeordnet sind.
Die Kirchengemeinde ist auch eine Organisation. Sie wird geleitet vom Kirchenvorstand, der alle Belange im Leben der Kirchengemeinde im Rahmen der kirchengesetzlichen Vorgaben gestalten kann.
Es gibt in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern auch den Begriff "Pfarrei", dieser bezeichnet einzig eine verwaltungstechnische Einheit von mehreren Kirchengemeinden, die einer Pfarrstellen zugeordnet sind. Im normalen evangelischen Sprachgebrauch wird nicht von einer "Pfarrei" gesprochen.
Entsprechend gibt es auch kein Pfarrheim, keinen Pfarrgemeinderat. Natürlich haben auch wir Pfarrer und Pfarrhäuser, ja sogar Pfarrerinnen.

MESSE
Die MESSE ist der Gottesdienst in der katholischen Kirche. Wir sprechen einfach vom Gottesdienst.

PFARREI
PFARREI ist eine organisatorische Bezeichnung, die im Leben der Kirchengemeinde keine Verwendung hat. Korrekter Begriff ist die KIRCHENGEMEINDE

PFARRER
Die bayerischen evangelischen Pfarrer heißen Pfarrer.
Damit sind alle ordinierten Geistlichen in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gemeint. Es ist der süddeutsche Name, nur im Norden heißen die Pfarrer Pastoren. Pastoren bei uns sind entweder Gastpfarrer aus Norddeutschland oder Angehörige einer Freikirche.
Da seit 1975 bei uns die Frauenordination eingeführt ist, gibt es auch Pfarrerinnen.

PFARRERIN
Die PFARRERIN ist die Pfarrerin in der evangelischen Kirche.
Es gibt seit 1975 die Frauenordination in Bayern. Pfarrerinnen sind in allen Bereichen ihren männlichen Kollegen gleichgestellt. Inzwischen gibt es auch Dekaninnen und Regionalbischöfinnen.

REGIONALBISCHOF
Der REGIONALBISCHOF ist ein Teil der Kirchenleitung im Bereich seines Kirchenkreises. Er gehört als Oberkirchenrat dem großen kirchenleitenden Gremium des Landeskirchenrates an.
Der Regionalbischof hat die kirchliche Aufsicht über die Gemeinden im Kirchenkreis, berät, tröstet und mahnt die Mitarbeiten in den Gemeinden geschwisterlich. Er vertritt die evangelische Kirche in der Öffentlichkeit.
Regionalbischof im Kirchenkreis Regensburg ist seit April 2004 Dr. Hans-Martin Weiss.
Es gibt in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern insgesamt 6 Kirchenkreise. Zwei werden von Frauen geleitet, einer von einem Ehepaar. So gibt es in unserer evangelischen Kirche auch Regionalbischöfinnen.