Neuneinhalb Thesen

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Klaus Weber

 

 

Weitergeben der Flamme

Die Reformation beginnt mit dem Thesenanschlag Martin Luthers gegen den Ablasshandel der damaligen Kirche. So feiern wir heuer 500 Jahre evangelisch-lutherische Kirche. Doch oft ist das Jubiläum nur eine Feier einer geschichtlichen Wende, so wichtig sie auch gewesen ist.
Wenn Tradition nicht nur das Halten der Asche ist, sondern das Weitergeben der Flamme, dann wage ich hier an dieser Stelle neuneinhalb Thesen für unsere Kirche und unsere Gemeinden heute.

  1. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen" (Matthäus 18,20), hat er nicht gemeint, dass wir uns mit leeren Kirchenbänken abfinden sollen.
  2. Wenn Jesus sagt „Mein Haus wird ein Bethaus sein" (Lukas 19,46), hat er weder das landeskirchliche Bauprogramm noch das Immobilienprojekt im Blick, sondern formuliert eine Priorität des Glaubens.
  3. Wenn wir von Jesus hören „Sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch" (Lukas 17,21), hatte er sicherlich nicht die Gemeindegrenzen unserer Kirchengemeinden im Blick, sondern erwartete das Reich Gottes auch bei den anderen.
  4. Wenn Jesus Christus vom barmherzigen Samariter erzählt und sagt „Pflege ihn und wenn du mehr ausgibst, so will ich dir's bezahlen" (Lukas 10,35), begründet er damit nicht die Arbeitsteilung zwischen Diakonie und Kirche, sondern macht Mut zum Einsatz auch für ganz fremde Menschen.
  5. Wenn Jesus spricht „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter" (Matthäus 9,37), hat er nicht die neue Landesstellenplanung im Blick, sondern schaut auf den Einsatz eines Jeden und einer Jeden.
  6. Wenn wir von Jesus hören „ Selig seid Ihr Armen" (Lukas 6, 20b), meint er nicht die Larmoyanz der geringen Kirchensteuerschlüsselzuweisung, sondern sieht den Reichtum der Menschen auf ganz anderem Gebiet.
  7. Wenn Jesus sagt „Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt" (Johannes 15,12), meint er wohl tatsächlich, dass die Liebe Gottes sich unter den Menschen ausbreiten und dort auch zeigen soll, zwischen ALLEN Menschen.
  8. Wenn Jesus meint „Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr angetan werdet mit der Kraft aus der Höhe" (Lukas 24,49b), redet er nicht von einer schläfrigen Gleichgültigkeit oder von einem beobachtenden Zynismus.
  9. Wenn Jesus Christus spricht „Ihr Kleingläubigen" (Matthäus 16,8b), lobt er nicht unser Ausgerichtet sein auf die Wenigen sondern fordert ein Think Big – Denkt groß!

Und:
Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage" (Matthäus 28,20b), hatte er sicher nicht Regensburg und Umgebung im Blick, aber gemeint hat er uns auf alle Fälle!

Gerne halte ich es wie Luther im Vorwort zu seinen Thesen: „Deshalb bittet er die, die nicht anwesend sein und mündlich mit uns debattieren können, dieses in Abwesenheit schriftlich zu tun."
Schreiben Sie mir an klaus.weber@elkb.de oder ans Pfarramt St. Lukas (Hiltnerweg 3, 93057 Regensburg) und verfolgen Sie die Diskussion hier!

Klaus Weber